Beerdigungsinstitut Gebauer

Die moderne Trauer

Gut zu wissen, Katrin Haudel

Das Beerdigungsinstitut Gebauer ist hier in der Region sehr bekannt, was wohl auch daran liegt, dass der Familienbetrieb über viele Jahre und heute in der vierten Generation die individuellsten Wünsche im Haus umsetzt. 

Generationsübergreifende Aufgabenteilung

Markus Gebauer übernahm das Unternehmen von seinem Vater. / Foto: FLOWWOLF

„Und das ist in der Form sicher nur in Familienunternehmen möglich“, so Gerrit Gebauer, stellvertretender Geschäftsführer, der den Betrieb der Eltern einmal übernehmen wird. Schon jetzt wird deutlich, dass hier jeder von jedem lernt. So berichtet Geschäftsführer Markus Gebauer, der einst den Betrieb des Vaters übernahm als dieser sechzig Jahre alt war, wie er noch heute das selbstgebaute Material des Vaters nutze. Anfangs kam dieser noch ein bis zwei Mal die Woche in den Betrieb. „Wenn er gebraucht werde, solle man anrufen“, hieß es dann. Dekoration, Kreuze und selbst die Räumlichkeiten des Vaters werden noch heute genutzt. 

 „Ich kümmere mich dafür um die Digitalisierung“, erklärt Sohn Gerrit. Selbst das Management zu digitalem Nachlass wird heute als Teil der Bestattungsdienstleistung angeboten. Von der Auflösung des bestehenden Facebook Accounts, Abmeldungen bei Online-Dienstleistern bis hin zur Videoaufnahme für die Trauerfamilie im Ausland, man hat immer einen Ansprechpartner und es werden Lösungen gefunden. Ich möchte das mit 57 Jahren zwar nicht mehr alles entwickeln, aber zum Beispiel früher haben wir einen zehn Kilo schweren Koffer mit herumgetragen, in welchem Kataloge und Unterlagen für die Trauergespräche waren. Gerade für unsere Beraterinnen war das eine Zumutung. Das ist heute toll, ich habe meinen Fingerprint und kann alles an einem Tablet zeigen, welches mein Sohn eingerichtet hat. Das erleichtert uns die Arbeit und ich kann noch individueller und orientierter den Familien etwas zeigen“, so der Chef des Hauses.  

Zwischen Modernität und Tradition

Geschäftsführer Markus Gebauer mit seiner Frau Sabine und Sohn Gerrit. / Foto: Thomas Koschel

Auch das Team, welches mit den festen Aushilfen aus 15 Personen besteht, ist modern und lebt die Tradition zugleich. Das Verhältnis untereinander ist auch hier so familiär, dass beispielsweise alle zur Garten-Geburtstagsparty des Geschäftsführers eingeladen waren. Tradition wird gewahrt und großgeschrieben, was auch vielen Trauerfamilien wichtig ist. Aber mit den Generationen kam Farbe ins Hause Gebauer. „Die Zylinderzeiten sind vorbei“, sagt Gerrit Gebauer, der noch heute angesprochen wird, wie der Großvater mit schwarzem Zylinder einst vorm Laden stand und rauchte. „Papa ist von morgens bis abends schwarz rumgelaufen. Schwarzer Anzug, weißes Hemd und seine schwarze Krawatte. Das ganze Jahr“, erinnert sich Vater Markus Gebauer. Heute weiß man wie wichtig es auch aus trauerpsychologischer Sicht ist, den Trauerfamilien die Trauer nicht noch zusätzlich zu zeigen, indem man beispielsweise denen selbst ganz in schwarz gegenübersitzt.  In Beratungsgesprächen tragen wir auch Farbe“, berichtet der Geschäftsführer, der auch bei unserem Besuch ein hellblaues Hemd trägt. „Das wäre zu meines Vaters Zeiten noch undenkbar gewesen.Die Räumlichkeiten sind hell und bunte Bilder schmücken die Wände. Alles ist freundlich eingerichtet. Man fühlt sich direkt wohl und das hat große Bedeutung für die Familie. 

Der Abschied soll positiv in Erinnerung bleiben. „Wir sind in erster Linie Dienstleister für die Familie und es gehört dazu diese in der Trauer mit aufzufangen“, erklärt Gerrit Gebauer. „Wir richten uns nach den Wünschen des Verstorbenen und deren Hinterbliebenen. Somit wird heute oft Modernität mit Tradition vermischt. Und wenn manchmal überlegt wird, wie man etwas richtig umsetzt, teilt Markus Gebauer sein Wissen, welches er selbst von seinem Vater lernte. „Ich zeige dir nochmal wie mein Papa das früher gemacht hat.Und so wird auch Gerrit Gebauer vermittelt, wie wertvoll dieses Wissen des Großvaters für ihn heute oft noch ist. Wir tauschen uns immer aus, beraten uns untereinander mit allen Familienmitgliedern und jeder Bereich kann abgedeckt werden.“  

Corona als Herausforderung

Sohn Gerrit Gebauer soll das Bestattungsinstitut einmal übernehmen. / Foto: FLOWWOLF

Der gute Mix aus modernster Technik, Dekoration, Offenheit und dem Einbeziehen der jüngsten Hinterbliebenen mit Luftballons, dem Bemalen des Sarges als auch der traditionellen, kirchlichen Bestattung und den Wünschen der älteren Generation kann durch den ständigen Austausch innerhalb der Familie kombiniert werden. „Wir schauen immer wieder, wie modern sollten wir werden, wie traditionell müssen wir bleiben. Und man bleibt geerdet durch mehrere Generationen im Haus. Wenn ich mich für eine neue Technik begeistere und diese gerne anschaffen würde, haben meine Eltern gegebenenfalls die wichtigen Einwände, um manches nicht zu tun“, so der Jüngste der Familie. Es soll zukünftig einen Bestattungswald in der Region Wolfsburg geben. Auch hier wird dann mit modernster Technik und großen Lautsprechern gearbeitet, auch damit traditionelle Rituale ebenfalls weiterhin mit eingebaut werden können. „Wir orientieren uns immer an den Wünschen der Familien, welche aufgrund mehrerer Generationen häufig verschiedene Vorstellungen haben.“

Durch den Ausbruch der Corona-Pandemie veränderte sich auch der Arbeitsalltag im Familienbetrieb Gebauer. „Wir hatten natürlich ein erhöhtes Maß an Eigen- und vor allem Fremdschutz zu leisten, da wir mit Risikogruppen oder eben auch Kontaktpersonen arbeiten. Auch unsere Mitarbeiter mussten ausreichend geschützt sein, da wir Zutritt in betroffene Bereiche, wie zum Beispiel Altenheime und Krankenhäuser, erhalten mussten. So war es eine Herausforderung vieles digital oder telefonisch mit den Trauerfamilien zu besprechen. Aber weil wir mit der Bearbeitung und Organisation einer Trauerfeier bereits einen modernen und teils auch digitalen Weg eingeschlagen haben, konnten wir das Problem sehr gut meistern, beschreibt Gerrit Gebauer die ungewohnte Situation. Insbesondere die Nähe zu den Familien liegt den Gebauers am Herzen, um eine liebevolle und würdevolle Abschiednahme wahrzunehmen, trotz der ganzen Bestimmungen und Hygienemaßnahmen.  
Kurzfristig galt es die Situation von Woche zu Woche so anzunehmen und umzuplanen. Die Dekoration musste angepasst und die Musikanlage mit Akkubetrieb angeschafft werden, um die Trauerfeier im Freien mit großen Abständen zwischen den Trauergästen zu ermöglichen.  Wir haben vieles daraus gelernt, da wir auch ganz anders arbeiten mussten. Auch derzeit arbeiten wir nach den geltenden Bestimmungen, die allerdings schon wieder mehr ermöglichen als zu Beginn der Pandemie“, so Gebauer weiter.  

Die Angst vor der Thematik nehmen

Vertrauen und Offenheit spielen bei Bestattungen eine sehr große Rolle. / Foto: Thomas Koschel

Zurück zur Offenheit der Firma. „Wichtig ist uns auch ganz transparent zu sein, wir halten zum Beispiel immer wieder Vorträge in Kirchen, Schulen, im Konfirmandenunterricht oder führen Besichtigungen durch. Vor kurzem stand auch eine Onlinebesichtigung zur ersten Online-Hanseraumkonferenz der Wirtschaftsjunioren Gifhorn-Wolfsburg auf dem Programm. Es ist uns als Familie wichtig, dass wir alles offen zeigen, vor allem die Räumlichkeiten“, erklärt Gerrit Gebauer, während der Vater ergänzt, „Wir werden immer wieder gefragt, ob das alles wie in einem Tatort sei und nein, die Atmosphäre ist nur für den Film so gemacht. Es ist nicht düster bei uns.  

Die Angst vor der Thematik soll genommen werden. Und das entgegengebrachte Vertrauen wird seit Generationen wertgeschätzt. „Man vertraut uns hier einen lieben Menschen, das Wichtigste in seinem eigenen Leben, an und diesem Vertrauen müssen wir gerecht werden“, sagt der Sohn und bringt es auf den Punkt.