Susanne Berlin im Gespräch

Jeder hat eine Stimme

Gut zu wissen, Katrin Haudel

„Man muss keine fertige Stimme haben, wenn man zu mir kommt“, so Susanne Berlin, die seit 2014 als selbstständige Sängerin und Vocalcoach Gesangsunterricht gibt.

Viel mehr als ,,nur” singen

Susanne Berlin singt
Seit 2014 arbeitet Susanne Berlin als Vocalcoach. / Foto: FLOW WOLF

Das es beim Singen nicht nur um Spaß geht, merkt man oft schnell. Das Selbstbewusstsein wird gestärkt, es gibt viele emotionale Momente. Wen hat nicht schon einmal ein Song berührt? Vielleicht erinnerst du dich auch an einen lieben Menschen, wenn du ein besonderes Lied hörst? „Zum Singen gehört der Körper und die Stimme“, so die Gesangslehrerin, „durch den Gesang kommt vieles in Schwingung, vergleichbar mit einer Massage. Das ist eine große Vertrauensbasis, da oft Emotionen hochkommen.“ Oftmals zeige der Gesangsunterricht eine ganz emotionale Seite der Schüler. Für alles sei Raum und alles bleibe auch im Raum. „Das ist mir besonders wichtig“, so Berlin. So grenze sich die Musikerin als Vocalcoach auch ab.

Meist geht es darum sein eigenes Selbstbewusstsein zu stärken oder auch mal laut sein zu dürfen. Auch wenn man zu Hause eher leiser sei, vielleicht sogar im Elternhaus oder in einer Beziehung nicht man selbst sein konnte, so komme es oft mit der Zeit im Unterricht, berichtet Susanne Berlin, deren Name übrigens kein Künstlername ist, was oftmals vermutet wird. „Einige meiner Schüler kommen richtig aus sich heraus, andere kommen mal nur um zu reden. Auch das gab es schon“, erklärt die Sängerin. Auch Tipps gegen Lampenfieber und Stimmtraining bekomme man im Unterricht. Es werde individuell geschaut, wo die Wünsche, die Problematik oder auch einfach die Neugierde liege.

Der beste Job der Welt

Vocalcoach Susanne Berlin
Susanne Berlin hat Spaß bei ihrer Arbeit. Das merkt man ihr an. / Foto: FLOW WOLF

„Mir macht das Spaß, ich bin so froh, dass ich diesen Weg der Selbstständigkeit gewählt habe“, sagt sie und strahlt dabei. Man kann ihr die Freude über diesen Beruf regelrecht ansehen. „Ich kann immer nur sagen, ich habe den besten Job der Welt.“ Menschen aus komplett unterschiedlichen Bereichen kommen zum Unterricht und Susanne Berlin unterstützt sie zu ihrer Stimme zu finden. „Ich darf mit unglaublich tollen Menschen arbeiten, jeder so wie er ist“, erklärt sie ihre Freude an ihrem Beruf. Es gehe auch darum sich selbst besser kennenzulernen, beschreibt sie ihre Sicht auf den Unterricht. Ihr Job sei es zu beobachten und zuzuhören und mit diesem Wissen auszuprobieren, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen und somit Ziele herauszuarbeiten.

„Ich möchte immer bewertungsfrei unterrichten“, so sagt sie, „Jeder hat seine eigene Stimme, gefallen muss die nicht jedem, darum geht es nicht.“ Oft möchten einige so klingen wie eine bekannte Stimme, doch das Schöne sei genau, dass es nicht so ist, dass man individuell sei und jeder singen könne. Das finge zu Hause unter der Dusche an, es soll Spaß machen. Das es jemand nicht mag, damit müsse man leben. Die Sängerin möchte als Vocalcoach nichts vorgeben und hat nicht die Erwartung zu hören was sie kennt, das sei man schließlich nicht selbst.

Vom Covern zum Songwriting

Hand mit Armbändern
Songwriting war der nächste Schritt in Susanne Berlins Karriere. / Foto: FLOW WOLF

„Künstler“, so habe sie die Erfahrung gemacht, „haben da oft eine höhere Toleranz anderen Stimmen und Geschmäckern gegenüber, als der Leihe.“ Sich zu trauen sei die größte Aufgabe, dann komme der Rest von ganz alleine. Susanne Berlin hat bereits im Kindergarten gerne Musik gemacht. „Es war immer meine Passion“, so die Sängerin. Und somit hat sie sprichwörtlich ihr Hobby zum Beruf gemacht. Nach vielen Jahren der Covermusik habe sie gewusst, dass ihr das nicht reiche, das sei nicht wirklich sie. „Wie möchte ich klingen? Was bin ich?“, stellte sich Susanne Berlin die Frage. „Ich habe angefangen mich mit Songwriting zu beschäftigen und eigene Songs zu schreiben“, berichtet sie. Aus ihrer damaligen Band Suzen‘s Garden, mit welcher sie eine unglaublich schöne Zeit hatte, wurde jetzt Valid blU. Man habe begonnen sich selbst besser kennenzulernen und sich weiterentwickelt. Die Zeit für ein neues Projekt habe begonnen. „Du möchtest über andere Dinge singen“, damit war für Suzen‘s Garden die Reise zu Ende. „Jetzt ist Zeit für einen neuen Stiel, der noch mehr aus dem Herzen kommt. Das sind jetzt WIR.“

Im Frühjahr 2021 kommt das erste Album

„Oft denkt man, dass das von anderen richtig ist, weil es ankommt oder sie die Erfahrung haben“, erklärt die Sängerin, „man selbst hat es sich aber eigentlich anders vorgestellt.“

Aus dem Grund hat Susanne Berlin gemeinsam mit ihrer Band entschieden selbstständig zu schreiben und zu singen. Sie haben sich Zeit gelassen und auch die Coronakrise als Chance genutzt, an ihrem Debutalbum zu arbeiten. Professioneller, mit ganzem Herzen erscheint im kommenden Frühjahr das erste Album. „Für uns geht damit ein Traum in Erfüllung, den wir uns selbst erarbeitet haben“, schließt sie ab und man kann ihr ansehen, wie sehr ihr auch dieses Projekt am Herzen liegt.